Plausibilitätsprüfung von Verkäuferangaben
Erfahren Sie, wie Sie die Angaben von Verkäufern systematisch überprüfen und validieren können. Von der Analyse der Finanzzahlen bis zur Überprüfung von Kundenbeziehungen.
Die Bedeutung kritischer Prüfung bei Unternehmenskäufen
Bei einer Unternehmensübernahme stehen Käufer vor der Herausforderung, die vom Verkäufer bereitgestellten Informationen richtig einzuschätzen. Die sorgfältige Plausibilitätsprüfung von Verkäuferangaben ist einer der wichtigsten Schritte im Akquisitionsprozess und kann über Erfolg oder Misserfolg der Transaktion entscheiden. Studien zeigen, dass bis zu 40% aller Unternehmenskäufe nicht die erwarteten Ergebnisse liefern – häufig aufgrund unzureichender Prüfung der Verkäuferangaben vor dem Kauf. Während Verkäufer natürlicherweise dazu neigen, ihr Unternehmen im besten Licht darzustellen, müssen Käufer eine objektive und kritische Perspektive einnehmen. Die systematische Überprüfung der vorgelegten Informationen hilft nicht nur, unrealistische Wertversprechungen zu erkennen, sondern auch verborgene Risiken aufzudecken und fundierte Verhandlungspositionen zu entwickeln. Die Plausibilitätsprüfung ist dabei kein isolierter Schritt, sondern ein integraler Bestandteil der Due Diligence, der das Fundament für die Unternehmensbewertung und letztlich die Kaufentscheidung bildet.
Grundlegende Analyse der Finanzkennzahlen
Prüfung der historischen Finanzdaten
Die kritische Analyse der historischen Finanzdaten bildet den Ausgangspunkt jeder Plausibilitätsprüfung. Als Käufer sollten Sie mindestens die Jahresabschlüsse der letzten drei bis fünf Jahre anfordern und systematisch untersuchen. Achten Sie dabei besonders auf ungewöhnliche Schwankungen oder Muster bei Umsatz, Kosten und Margen. Beispielsweise könnte ein plötzlicher Anstieg der Bruttomargen kurz vor dem Verkauf auf temporäre Kostensenkungen oder Buchungstricks hindeuten. Vergleichen Sie die Daten aus verschiedenen Quellen – stimmen die Zahlen aus Jahresabschlüssen, Controlling-Berichten und Steuererklärungen überein? Besondere Aufmerksamkeit verdienen außerordentliche Posten und Einmaleffekte, die das reguläre Geschäftsergebnis verzerren können. Diese sollten für eine realistische Bewertung der nachhaltigen Ertragskraft bereinigt werden. Auch die Konsistenz der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden über die Jahre hinweg sollte geprüft werden, da Änderungen erhebliche Auswirkungen auf die dargestellte finanzielle Leistung haben können. Die Financial Due Diligence durch einen erfahrenen Wirtschaftsprüfer kann hier wertvolle Erkenntnisse liefern und übersehene Risiken aufdecken.
Analyse der Umsatzqualität
Die reine Betrachtung von Umsatzzahlen reicht nicht aus – entscheidend ist die Qualität dieser Umsätze. Untersuchen Sie die Kundenstruktur: Wie diversifiziert ist der Kundenstamm? Besteht eine gefährliche Abhängigkeit von wenigen Großkunden? Laut Experten liegt ein Warnzeichen vor, wenn mehr als 20% des Umsatzes auf einen einzelnen Kunden entfallen. Analysieren Sie auch die Stabilität und Nachhaltigkeit der Kundenbeziehungen: Wie lange bestehen diese bereits? Gibt es langfristige Verträge oder regelmäßige Verlängerungen? Bei der Prüfung der Umsatzentwicklung sollten branchenspezifische Trends berücksichtigt werden – wächst das Unternehmen schneller oder langsamer als der Markt? Besondere Vorsicht ist geboten bei ungewöhnlich hohen Wachstumsraten kurz vor dem Verkauf oder bei signifikanten Abweichungen zwischen Ist- und Planzahlen in der Vergangenheit. Die Analyse von Stornoquoten, Kundenreklamationen und -verlusten kann weitere Hinweise auf die tatsächliche Umsatzqualität geben. Auch die geografische Verteilung der Umsätze und die Abhängigkeit von bestimmten Produktlinien oder Dienstleistungen sollten in die Bewertung einfließen. All diese Faktoren beeinflussen maßgeblich die Finanzkennzahlen wie EBITDA-Marge und Umsatzwachstum, die häufig als Basis für die Unternehmensbewertung dienen.
Überprüfung der Kostenstruktur
Eine realistische Einschätzung der Kostenstruktur ist entscheidend für die Beurteilung der zukünftigen Profitabilität. Prüfen Sie, ob alle relevanten Kosten tatsächlich erfasst und korrekt kategorisiert wurden. Häufig werden bestimmte Kosten wie Geschäftsführergehälter, Privatentnahmen oder Familienmitarbeiter in Familienunternehmen nicht marktüblich angesetzt, was die Ertragslage künstlich verbessert. Analysieren Sie die Entwicklung der Kostenblöcke im Zeitverlauf – plötzliche Kostenrückgänge ohne erkennbare operative Veränderungen sollten kritisch hinterfragt werden. Auch der Vergleich mit Branchenbenchmarks kann wertvolle Hinweise liefern: Liegen bestimmte Kostenquoten deutlich unter dem Branchendurchschnitt, könnte dies auf versteckte Probleme oder künstliche Optimierungen hindeuten. Besondere Aufmerksamkeit verdienen zudem aufgeschobene Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen, die zwar kurzfristig die Ergebnisse verbessern, langfristig aber erhebliche Zusatzkosten verursachen können. Bei Spezialisierten Handwerksbetrieben oder Maschinenbau-Unternehmen ist dieser Aspekt besonders relevant. Auch versteckte Verbindlichkeiten oder nicht bilanzierte Verpflichtungen wie Pensionszusagen, Leasingverträge oder Prozessrisiken sollten identifiziert und quantifiziert werden. Die systematische Prüfung der Kostenstruktur hilft, eine realistischere Einschätzung des nachhaltigen EBITDA zu gewinnen und damit typische Fehler bei der Bewertung zu vermeiden.
Validierung der Verkäuferangaben in der Praxis
Vergleich mit externen Marktdaten
Der Abgleich der Verkäuferangaben mit externen Marktdaten und Branchenkennzahlen ist ein wirksames Instrument zur Plausibilitätsprüfung. Nutzen Sie Branchenberichte, Marktanalysen und Wirtschaftsdatenbanken, um die Position des Unternehmens im Wettbewerbsumfeld zu verorten. Besonders aufschlussreich ist der Vergleich der Wachstumsraten und Profitabilitätskennzahlen mit direkten Wettbewerbern oder Branchendurchschnitten. Weicht das Zielunternehmen deutlich von diesen Benchmarks ab, sollten die Ursachen genau analysiert werden. Auch die Prüfung der Marktanteile und deren Entwicklung über die Zeit kann aufschlussreich sein – übertriebene Angaben zu Marktanteilen oder unrealistische Wachstumsprognosen sind typische Warnzeichen. Achten Sie zudem auf Konsistenz mit allgemeinen Wirtschaftsindikatoren und Branchenzyklen – wächst das Unternehmen auch in Phasen wirtschaftlicher Stagnation deutlich, sollten die Gründe kritisch hinterfragt werden. Eine gründliche Commercial Due Diligence kann hier wertvolle Erkenntnisse liefern. Bei der Bewertung des Marktumfelds sollten auch regulatorische Veränderungen, technologische Entwicklungen und Substitutionsrisiken berücksichtigt werden, die möglicherweise in den Verkäuferangaben nicht angemessen reflektiert sind.
Verifizierung von Kundenbeziehungen
Die Qualität und Stabilität der Kundenbeziehungen ist ein zentraler Werttreiber, der besonders sorgfältig validiert werden sollte. Prüfen Sie die Top-Kunden nicht nur anhand der vorgelegten Daten, sondern versuchen Sie, diese im Rahmen der Due Diligence direkt zu kontaktieren, um deren Zufriedenheit, Loyalität und Zukunftsabsichten zu erfragen. Achten Sie dabei besonders auf personengebundene Kundenbeziehungen, die möglicherweise nach dem Ausscheiden des bisherigen Eigentümers gefährdet sind – besonders relevant bei der Übernahme von Beratungsunternehmen oder anderen Dienstleistern mit engen persönlichen Kundenbeziehungen. Analysen der Kundenhistorie und -entwicklung können wichtige Hinweise auf die Kundenstabilität geben: Wie viele Neukunden wurden in den letzten Jahren gewonnen, wie viele verloren? Welche Gründe gab es für Kundenverluste? Auch die Analyse der Kundenkonzentration ist wichtig – eine hohe Abhängigkeit von wenigen Großkunden stellt ein erhebliches Risiko dar, das sich in der Bewertung widerspiegeln sollte. Bei längerfristigen Kundenverträgen sollten Laufzeiten, Kündigungsfristen und mögliche Change-of-Control-Klauseln geprüft werden, die bei einer Übernahme relevant werden könnten. In einigen Branchen kann auch die Analyse von Ausschreibungserfolgen oder Conversion Rates wichtige Hinweise auf die tatsächliche Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens geben.
Prüfung der operativen Leistungsfähigkeit
Die Bewertung der operativen Leistungsfähigkeit geht über die reinen Finanzzahlen hinaus und fokussiert auf die tatsächliche Substanz des Unternehmens. Analysieren Sie die Kapazitätsauslastung und Produktivität – wird ein scheinbar gutes Ergebnis durch chronische Überlastung oder Qualitätseinbußen erkauft? Besonders bei Produktionsunternehmen sollten der Zustand und die Modernität des Maschinenparks sowie anstehende Ersatzinvestitionen geprüft werden. Bei der Bewertung des Anlagevermögens ist besondere Sorgfalt geboten, da hier erhebliche zukünftige Kosten lauern können. Auch die IT-Infrastruktur und deren Modernisierungsbedarf sollte nicht unterschätzt werden – besonders bei IT-Unternehmen oder technologieintensiven Geschäftsmodellen. Die Analyse der Prozesse und Workflows kann Effizienzprobleme oder Optimierungspotenziale aufdecken. Ebenso wichtig ist die Prüfung der Personalstruktur und -qualifikation: Sind ausreichend qualifizierte Mitarbeiter vorhanden? Gibt es kritische Abhängigkeiten von Schlüsselpersonen? Wie steht es um Altersstruktur, Fluktuation und Betriebszugehörigkeit? Die Bewertung der operativen Leistungsfähigkeit sollte auch nicht-finanzielle Faktoren wie Innovationsfähigkeit, Markenimage oder die Unternehmenskultur einbeziehen, die wesentlich zum langfristigen Erfolg beitragen können.
Kritische Bereiche besonders gründlich prüfen
Bewertung der Umsatz- und Ergebnisprognosen
Die vom Verkäufer vorgelegten Zukunftsprognosen erfordern besonders kritische Überprüfung, da sie oft den größten Einfluss auf die Unternehmensbewertung haben. Vergleichen Sie die Prognosen mit der historischen Entwicklung – sind die prognostizierten Wachstumsraten und Margenverbesserungen vor dem Hintergrund der Unternehmenshistorie plausibel? Analysieren Sie auch die Treffsicherheit früherer Prognosen – wurden die Planzahlen in der Vergangenheit regelmäßig erreicht oder systematisch verfehlt? Ein besonders wichtiger Punkt ist die Analyse der zugrunde liegenden Annahmen: Sind diese transparent, nachvollziehbar und durch konkrete Maßnahmen oder Marktentwicklungen unterlegt? Prüfen Sie auch die Konsistenz zwischen verschiedenen Prognosebereichen – passen Umsatzwachstum, Personalbedarf und Investitionsplanung zusammen? Besondere Skepsis ist bei sogenannten Hockey-Stick-Prognosen angebracht, die nach Jahren moderaten Wachstums plötzlich einen steilen Anstieg vorhersagen. Auch die Berücksichtigung von Markttrends und Wettbewerbsentwicklungen in den Prognosen sollte kritisch hinterfragt werden. Die Erstellung eigener, unabhängiger Szenarien (Best Case, Base Case, Worst Case) kann helfen, eine realistischere Einschätzung der zukünftigen Entwicklung zu gewinnen und die Unsicherheit der Prognosen besser zu erfassen. Dies ist besonders wichtig bei der Anwendung der DCF-Methode, bei der der Kapitalisierungszinssatz und WACC die Prognoserisiken reflektieren sollten.
Identifikation versteckter Risiken
Die Aufdeckung versteckter oder unterschätzter Risiken gehört zu den wichtigsten Aspekten der Plausibilitätsprüfung. Im Rahmen der Legal Due Diligence sollten rechtliche Risiken wie laufende oder drohende Rechtsstreitigkeiten, Gewährleistungsansprüche oder regulatorische Probleme identifiziert werden. Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch steuerliche Risiken – eine gründliche Tax Due Diligence kann verhindern, dass Steuernachzahlungen oder -risiken nach der Übernahme zu unangenehmen Überraschungen führen. Auch die Prüfung von Verträgen auf Change-of-Control-Klauseln oder außerordentliche Kündigungsrechte ist essentiell, da diese den Unternehmenswert nach einer Übernahme erheblich beeinträchtigen können. Weitere wichtige Risikobereiche sind die Absicherung von IP und Markenrechten, Compliance-Risiken, Umweltrisiken sowie Abhängigkeiten von Schlüsselpersonen oder -technologien. Auch die Anfälligkeit des Geschäftsmodells für disruptive Veränderungen, technologische Entwicklungen oder neue Wettbewerber sollte kritisch bewertet werden. Die systematische Erfassung und Bewertung aller Risiken in einem strukturierten Risikokatalog kann helfen, deren potenzielle Auswirkungen auf den Unternehmenswert zu quantifizieren und in den Kaufverhandlungen zu berücksichtigen oder durch entsprechende Garantien und Gewährleistungen abzusichern.
Überprüfung der Vermögenswerte
Die gründliche Bewertung der materiellen und immateriellen Vermögenswerte ist ein zentraler Bestandteil der Plausibilitätsprüfung. Bei materiellen Vermögenswerten wie Grundstücken, Gebäuden und Anlagen sollten Wertansätze und Abschreibungen kritisch hinterfragt werden. Wurden Anlagen möglicherweise zu lange abgeschrieben und stehen nun kostspielige Ersatzinvestitionen an? Die Bewertung des Anlagevermögens sollte idealerweise durch unabhängige Gutachter validiert werden, besonders bei wertintensiven Positionen. Auch Vorräte und Forderungen verdienen besondere Aufmerksamkeit – sind diese tatsächlich werthaltig oder drohen Wertberichtigungen aufgrund von Überalterung oder Zahlungsausfällen? Bei immateriellen Vermögenswerten wie Patenten, Lizenzen und Markenrechten ist die Prüfung der rechtlichen Situation (Eigentumsverhältnisse, Schutzrechte, Laufzeiten) und der tatsächlichen wirtschaftlichen Verwertbarkeit entscheidend. Die Bewertung immaterieller Werte ist oft komplex und sollte durch Experten unterstützt werden. Besonders bei der Übernahme von Software-Unternehmen oder E-Commerce-Unternehmen sind immaterielle Werte oft die wichtigsten Vermögensgegenstände. Auch die Qualität und Nachhaltigkeit des Kundenstamms und der Kundenbeziehungen sollte kritisch geprüft werden, da diese oft einen wesentlichen Teil des Unternehmenswerts ausmachen. Die Gesamtbewertung der Vermögenswerte bildet die Grundlage für die Substanzwertmethode und kann als wichtige Ergänzung zu ertragsorientierten Bewertungsverfahren dienen.
Professionelle Ansätze zur Plausibilitätsprüfung
Einsatz spezialisierter Berater und Gutachter
Die Komplexität einer umfassenden Plausibilitätsprüfung erfordert oft spezialisiertes Fachwissen, das über die Kompetenzen des Käufers hinausgeht. Die Einbindung erfahrener M&A-Berater kann den gesamten Prozess professionalisieren und typische Fallstricke vermeiden. Wirtschaftsprüfer sind unverzichtbar für die gründliche Analyse der Finanzdaten und können versteckte Risiken in der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung aufdecken. Steuerberater helfen, steuerliche Risiken zu identifizieren und Steueroptimierungspotenziale nach der Übernahme zu erkennen. Bei der Bewertung spezifischer Vermögenswerte wie Immobilien, Maschinen oder Patenten sind Fachgutachter gefragt, die deren tatsächlichen Wert und Zustand beurteilen können. Im IT-Bereich kann eine technische Due Diligence durch Spezialisten wichtige Erkenntnisse über den Zustand der IT-Infrastruktur, technische Schulden oder Sicherheitsrisiken liefern. Branchenexperten wiederum können die Marktposition und Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells besser einschätzen und Branchentrends identifizieren. Die Einbindung externer Berater sollte frühzeitig geplant und koordiniert werden, um Redundanzen zu vermeiden und ein einheitliches Vorgehen sicherzustellen. Trotz der Kosten für externe Expertise zahlt sich diese Investition in der Regel durch einen fundierten Erkenntnisgewinn und eine bessere Verhandlungsposition aus – oder verhindert im Extremfall einen kostspieligen Fehlkauf.
Systematische Due-Diligence-Prozesse
Eine strukturierte und systematische Due Diligence ist das wirksamste Instrument zur Plausibilitätsprüfung von Verkäuferangaben. Statt isolierter Prüfungen einzelner Aspekte sollte ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden, der alle relevanten Bereiche abdeckt: Finanzen, Steuern, Recht, Betrieb, IT, Personal, Markt und Umwelt. Die Erstellung einer umfassenden Due-Diligence-Checkliste hilft, keine wichtigen Aspekte zu übersehen und den Prozess systematisch zu strukturieren. Dabei sollten klare Verantwortlichkeiten, Zeitpläne und Eskalationswege definiert werden. Der Due-Diligence-Prozess sollte auch iterativ gestaltet sein – neue Erkenntnisse können zusätzliche Prüfungsfelder eröffnen, die dann gezielt vertieft werden. Moderne Tools wie Datenraumanalysen, Benchmarking-Software oder spezialisierte Due-Diligence-Plattformen können den Prozess effizienter gestalten und die Qualität der Ergebnisse verbessern. Die systematische Dokumentation aller Erkenntnisse ist essentiell, um diese später in den Verhandlungen oder bei der Vertragsgestaltung berücksichtigen zu können. Besonders wichtig ist auch die Koordination zwischen den verschiedenen Prüfungsbereichen, damit Querverbindungen und Widersprüche erkannt werden. Die Ergebnisse der Due Diligence sollten schließlich in einer strukturierten Zusammenfassung konsolidiert werden, die die wesentlichen Erkenntnisse, identifizierten Risiken und deren potenzielle Auswirkungen auf den Unternehmenswert darstellt. Diese Zusammenfassung bildet die Grundlage für die weitere Entscheidungsfindung und Verhandlungsstrategie.
Nutzung digitaler Tools und Datenanalyse
Die digitale Transformation hat auch die Plausibilitätsprüfung bei Unternehmenskäufen revolutioniert. Moderne Data-Analytics-Tools ermöglichen die Analyse großer Datenmengen und können Muster, Inkonsistenzen oder Anomalien aufdecken, die bei manueller Prüfung möglicherweise übersehen würden. Process Mining kann helfen, die tatsächlichen Geschäftsprozesse zu visualisieren und mit den dokumentierten Abläufen zu vergleichen. Intelligente Dokumentenanalyse-Tools können große Mengen an Verträgen und anderen Dokumenten durchsuchen und kritische Klauseln oder Risiken identifizieren. Spezielle Due-Diligence-Software unterstützt das Projektmanagement, die Dokumentation und die Zusammenarbeit im Prüfungsteam. Die Rolle der KI im M&A-Markt wächst stetig und bietet neue Möglichkeiten für eine effizientere und gründlichere Plausibilitätsprüfung. Auch die Analyse unstrukturierter Daten wie E-Mails, Social-Media-Aktivitäten oder Kundenfeedback kann wertvolle Einblicke in die tatsächliche Marktposition und Kundenwahrnehmung liefern. Bei der Nutzung digitaler Tools ist jedoch wichtig, diese als Ergänzung und nicht als Ersatz für menschliches Urteilsvermögen zu betrachten. Die Interpretation der Ergebnisse und die Einordnung in den Gesamtkontext erfordern nach wie vor die Expertise erfahrener Berater und Entscheider. Die Kombination aus digitalen Analysetools und menschlicher Expertise bildet die Grundlage für eine moderne, effiziente und gründliche Plausibilitätsprüfung.
Von der Prüfung zur Verhandlungsstrategie
Die Erkenntnisse aus der Plausibilitätsprüfung sollten direkt in die Verhandlungsstrategie einfließen. Identifizierte Risiken oder überhöhte Annahmen können als Argumente für Kaufpreisanpassungen genutzt werden. Für besonders kritische Bereiche bieten sich Garantien, Gewährleistungen oder Kaufpreiseinbehalte an, um das Risiko abzusichern. Eine Alternative können auch Earn-Out-Regelungen sein, bei denen Teile des Kaufpreises von der tatsächlichen zukünftigen Entwicklung abhängig gemacht werden. Dies kann besonders sinnvoll sein, wenn zwischen Käufer und Verkäufer erhebliche Bewertungsunterschiede bestehen. Die Plausibilitätsprüfung liefert auch wichtige Erkenntnisse für die spätere Integration und mögliche Optimierungspotenziale nach der Übernahme. Basierend auf den Prüfungsergebnissen sollte ein detaillierter Post-Merger-Integrationsplan entwickelt werden, der die identifizierten Chancen und Risiken berücksichtigt. Für den Umgang mit unterschiedlichen Preisvorstellungen bei der Unternehmenstransaktion ist es wichtig, die eigenen Bewertungsannahmen transparent und nachvollziehbar darlegen zu können. Ein fundiertes Verständnis der Verkäuferangaben und ihrer Plausibilität stärkt die Verhandlungsposition und hilft, einen angemessenen Kaufpreis zu erzielen, der die tatsächlichen Risiken und Potenziale des Unternehmens widerspiegelt.
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