Die Herausforderung: Meisterpflicht im Handwerk
In zahlreichen Handwerksbetrieben, insbesondere in zulassungspflichtigen Handwerken der Anlage A der Handwerksordnung, ist der Meisterbrief eine gesetzliche Voraussetzung für die selbstständige Berufsausübung. Für Kaufinteressenten, die nicht über einen entsprechenden Meisterbrief verfügen, entsteht hierdurch eine erhebliche Hürde beim Unternehmenskauf. Der Mangel an eigener fachlicher Qualifikation kann den Erwerbsprozess komplizieren – muss aber kein unüberwindbares Hindernis darstellen.
Lösungsansätze für den Handwerkskauf ohne eigene Konzession
Für Interessenten, die einen Handwerksbetrieb ohne eigene Konzession erwerben möchten, bieten sich verschiedene strategische Optionen:
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Anstellung eines fachlich qualifizierten Betriebsleiters:
Ein bewährter Ansatz ist die Beschäftigung eines Betriebsleiters mit entsprechendem Meisterbrief. Dieser übernimmt die fachliche Verantwortung, während der neue Eigentümer sich auf kaufmännische und strategische Aspekte konzentrieren kann. -
Beteiligung eines Meisterträgers am Unternehmen:
Eine alternative Strategie ist die Beteiligung eines Meisterträgers am Unternehmen, der als Gesellschafter und fachlicher Leiter fungiert. Dies kann durch eine Minderheitsbeteiligung oder auch durch eine gleichberechtigte Partnerschaft realisiert werden. -
Erwerb eines Handwerks ohne Meisterpflicht:
Ein strategischer Ausweg kann auch die Konzentration auf Handwerkszweige sein, die nicht unter die strenge Meisterpflicht fallen. Handwerke der Anlage B der Handwerksordnung oder handwerksähnliche Gewerbe bieten hier Möglichkeiten. -
Kooperation mit bestehenden Meisterbetrieben:
Durch strategische Kooperationen mit bestehenden Meisterbetrieben können auch Nicht-Meister im Handwerk unternehmerisch tätig werden, indem sie Teilbereiche übernehmen oder Synergien nutzen.
Vorteile des Handwerkserwerbs auch ohne eigene Konzession
Der Erwerb eines Handwerksbetriebs ohne eigene Konzession bietet trotz der rechtlichen Komplexität zahlreiche Vorteile:
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Zugang zu etablierten Märkten:
Handwerksbetriebe verfügen oft über einen stabilen Kundenstamm und etablierte Marktpositionen, die auch ohne eigene handwerkliche Qualifikation gewinnbringend weitergeführt werden können. -
Kombination von kaufmännischem und fachlichem Know-how:
Die Trennung zwischen kaufmännischer Führung und fachlicher Leitung kann zu einer professionelleren Unternehmensstruktur führen und die jeweiligen Stärken optimal nutzen. -
Erschließung neuer Geschäftsfelder:
Kaufinteressenten aus anderen Branchen können frische Perspektiven und innovative Ansätze in traditionelle Handwerksbetriebe einbringen.
Branchenbeispiele für den Handwerkskauf ohne Konzession
Verschiedene Handwerksbranchen bieten unterschiedliche Möglichkeiten für den Einstieg ohne eigene Konzession:
- Elektrofirma kaufen – Hier kann durch die Anstellung eines Elektromeisters die fachliche Leitung sichergestellt werden.
- Sanitärbetrieb kaufen – Die Kombination aus kaufmännischer Führung und fachlicher Expertise eines angestellten Meisters hat sich in dieser Branche bewährt.
- Malerbetrieb kaufen – Auch hier ergeben sich Möglichkeiten durch strategische Betriebsleitermodelle.
- Dachdeckerbetrieb kaufen – Die Zusammenarbeit mit qualifizierten Fachkräften ermöglicht auch hier den Unternehmenskauf ohne eigenen Meisterbrief.
Unternehmensnachfolge im Handwerk spezifisch gestalten
Die Übernahme eines Handwerksbetriebs ohne eigene Konzession erfordert eine besonders sorgfältige Gestaltung der Unternehmensnachfolge:
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Transparente Kommunikation mit dem Verkäufer:
Offene Gespräche über die fehlende eigene Konzession und die geplante Lösung schaffen Vertrauen und Sicherheit im Verkaufsprozess. -
Frühzeitige Einbindung fachlicher Expertise:
Die rechtzeitige Identifikation und Einbindung von Meisterträgern oder potentiellen Betriebsleitern ist entscheidend für einen erfolgreichen Übergang. -
Rechtliche Absicherung der Nachfolgelösung:
Die gewählte Konstruktion sollte rechtlich wasserdicht gestaltet und dokumentiert werden, um spätere Probleme mit der Handwerkskammer zu vermeiden.
M&A-Perspektiven bei Handwerkskäufen ohne Konzession
Für den Unternehmenskauf im Handwerk ohne eigene Konzession ergeben sich aus M&A-Sicht besondere Aspekte:
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Strukturierung von Transaktionen:
Die Transaktion kann so gestaltet werden, dass die fehlende eigene Konzession durch alternative Lösungen kompensiert wird, etwa durch Kooperationsverträge mit qualifizierten Fachkräften. -
Attraktive Bewertungsmöglichkeiten:
Betriebe, die für Käufer ohne Meisterbrief zugänglich gemacht werden, eröffnen einen größeren Interessentenkreis und können dadurch unter Umständen höhere Bewertungen erzielen. -
Innovative Finanzierungsmodelle:
Bei der Übernahme ohne eigene Konzession können kreative Finanzierungsmodelle wie gestaffelte Kaufpreiszahlungen oder Earn-Out-Komponenten besonders sinnvoll sein.
Fazit: Handwerksbetrieb ohne Konzession kaufen – mit der richtigen Strategie möglich
Der Erwerb eines Handwerksbetriebs ohne eigene Konzession stellt zwar eine Herausforderung dar, ist aber mit der richtigen Strategie durchaus realisierbar. Durch die Kombination kaufmännischer Führungskompetenz mit externer fachlicher Expertise können auch Käufer ohne Meisterbrief erfolgreich im Handwerk unternehmerisch tätig werden. Entscheidend ist eine sorgfältige Planung und die frühzeitige Einbindung rechtlicher sowie fachlicher Beratung, um die individuell passende Lösung zu finden.
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