Unternehmen verkaufen ohne Makler: Vor- und Nachteile des direkten Verkaufs
Der Verkauf eines Unternehmens gehört zu den komplexesten und emotionalsten Prozessen im Geschäftsleben. Viele Unternehmer stehen dabei vor der grundlegenden Frage: Soll ich mein Unternehmen eigenständig verkaufen oder einen professionellen M&A-Berater beauftragen? In diesem Artikel beleuchten wir die Möglichkeiten des direkten Verkaufs ohne Makler und zeigen transparent die Vor- und Nachteile dieser Entscheidung auf.
Warum Unternehmer über den direkten Verkauf nachdenken
Die Gründe, warum Unternehmer einen Verkauf ohne Makler in Betracht ziehen, sind vielfältig:
- Kosteneinsparungen: Die Vermeidung von Beratungshonoraren und Erfolgsprovisionen
- Volle Kontrolle: Direkter Einfluss auf den gesamten Verkaufsprozess
- Diskretion: Kein zusätzlicher Mitwisser bei vertraulichen Unternehmensdetails
- Persönliches Netzwerk: Bereits vorhandene potenzielle Käufer im eigenen Umfeld
- Überschaubare Unternehmensgröße: Bei kleineren Einzelunternehmen oder GmbHs erscheint der Prozess bewältigbar
Praxistipp: Der Entscheidung für oder gegen einen Berater sollte eine ehrliche Selbsteinschätzung vorausgehen: Verfügen Sie über ausreichend Zeit, Erfahrung und emotionale Distanz für den Verkaufsprozess?
Der direkte Verkaufsprozess Schritt für Schritt
Wer sein Unternehmen ohne Makler verkaufen möchte, sollte sich auf einen strukturierten Prozess vorbereiten:
1. Vorbereitung und Bewertung
- Unternehmensbewertung durchführen: Nutzen Sie Standardverfahren wie das Multiplikatorverfahren oder lassen Sie eine externe Bewertung erstellen
- Unternehmensunterlagen aufbereiten: Erstellen Sie eine strukturierte Dokumentation mit allen relevanten Informationen
- Verkaufsexpose zusammenstellen: Entwickeln Sie ein professionelles Verkaufsprospekt
- Verkaufsstrategie definieren: Legen Sie fest, ob Sie offen oder diskret vorgehen wollen
Kostenfaktor: Eine professionelle Unternehmensbewertung durch einen externen Dienstleister kostet je nach Unternehmensgröße zwischen 2.000 und 10.000 EUR.
2. Käufersuche und Vermarktung
Ohne M&A-Berater müssen Sie eigenständig potenzielle Käufer finden:
- Persönliches Netzwerk aktivieren: Wettbewerber, Lieferanten, Kunden oder Mitarbeiter
- Online-Plattformen nutzen: Unternehmensbörsen wie nexxt-change oder DUB
- Branchenspezifische Foren: Verbände und Berufsorganisationen
- Social-Media-Kanäle: XING, LinkedIn oder branchenspezifische Gruppen
- Regionale Vermarktung: IHK, Handwerkskammern, regionale Wirtschaftsförderungen
Praxistipp: Bei der Suche nach einem Nachfolger statt Gründer können auch Gründernetzwerke und Hochschulen interessante Anlaufstellen sein.
3. Kontaktmanagement und erste Gespräche
- Interessentenverwaltung einrichten: Dokumentieren Sie alle Anfragen und Gespräche
- Verschwiegenheitsvereinbarungen: Lassen Sie NDAs unterzeichnen, bevor Sie detaillierte Informationen weitergeben
- Seriositätsprüfung: Prüfen Sie die Bonität und Ernsthaftigkeit der Interessenten
- Erstgespräche führen: Präsentieren Sie Ihr Unternehmen überzeugend, aber realistisch
Wichtig: Achten Sie darauf, unseriöse Verkaufsinteressenten frühzeitig zu identifizieren, um keine Zeit zu verlieren.
4. Due Diligence und Verhandlungen
- Datenraum vorbereiten: Stellen Sie alle prüfungsrelevanten Dokumente strukturiert bereit
- Due-Diligence-Prozess begleiten: Beantworten Sie Rückfragen und koordinieren Sie Besuche
- Verhandlungsstrategie entwickeln: Definieren Sie Ihre Mindestforderungen und Verhandlungsspielräume
- Kaufpreis verhandeln: Seien Sie auf verschiedene Preisvorstellungen vorbereitet
Kostenfaktor: Rechnen Sie mit externen Beratungskosten für Anwälte und Steuerberater in Höhe von 5.000 bis 15.000 EUR, auch wenn Sie keinen M&A-Berater beauftragen.
5. Vertragsgestaltung und Abschluss
- Kaufvertrag ausarbeiten: Lassen Sie sich dabei unbedingt anwaltlich beraten
- Übergabe planen: Definieren Sie einen klaren Übergangszeitraum
- Finanzierung sichern: Prüfen Sie die Finanzkraft des Käufers oder unterstützen Sie bei der Kauffinanzierung
- Verträge unterzeichnen: Oft ist eine notarielle Beglaubigung erforderlich
Eigenvermarktungsstrategien: Wie finde ich Käufer?
Die größte Herausforderung beim direkten Verkauf ist das Finden geeigneter Interessenten. Hier einige effektive Strategien:
Online-Plattformen für den Unternehmensverkauf
- Allgemeine Unternehmensbörsen: nexxt-change, DUB, Unternehmensbörse
- Branchenplattformen: Je nach Branche gibt es spezielle Plattformen
- Regionale Angebote: Kammern und Wirtschaftsförderungen betreiben oft regionale Nachfolgebörsen
Kostenfaktor: Die Nutzung von Unternehmensbörsen kostet je nach Plattform zwischen 0 und 500 EUR für eine Anzeige.
Vermarktung nach Branchenspezifika
Je nach Branche können unterschiedliche Vermarktungsstrategien sinnvoll sein:
- Handwerksbetriebe: Innungen, Fachverbände, Handwerkskammern (Handwerksbetrieb verkaufen)
- E-Commerce: Spezialisierte Plattformen für Online-Shop-Verkäufe
- IT-Unternehmen: Tech-Communities, Branchenverbände (IT-Dienstleistungsunternehmen verkaufen)
- Gastronomie: Gastronomiebörsen, Fachzeitschriften (Restaurant kaufen)
Geografische Vermarktungsstrategien
Der richtige Verkaufsansatz kann auch von der Region abhängen:
- Großstädte: In Berlin, Hamburg oder NRW gibt es oft spezialisierte regionale Netzwerke
- Ländliche Regionen: In Thüringen oder Brandenburg kann die Einbindung lokaler Wirtschaftsförderungen besonders wichtig sein
Vor- und Nachteile des direkten Unternehmensverkaufs
Vorteile des Verkaufs ohne Makler
- Kosteneinsparung: Keine Provision von 3-7% des Verkaufspreises
- Informationskontrolle: Volle Kontrolle darüber, welche Informationen wann an wen gehen
- Direkter Kontakt: Unmittelbare Kommunikation mit potenziellen Käufern
- Flexibilität: Individuelle Anpassung des Verkaufsprozesses
- Persönliche Beziehung: Möglichkeit, eine engere Beziehung zum Käufer aufzubauen
Nachteile des Eigenverkaufs
- Zeitaufwand: Der Verkaufsprozess bindet erhebliche Managementressourcen
- Fehlende Expertise: Verhandlungsnachteile durch mangelnde Marktkenntnis
- Emotionale Verstrickung: Schwierigkeit, objektiv zu bleiben
- Geringere Reichweite: Weniger potenzielle Käufer als bei professioneller Vermarktung
- Vertraulichkeitsrisiken: Höhere Gefahr von Informationslecks
- Geringerer Verkaufspreis: Statistisch oft niedrigere Erlöse als bei Beratereinbindung
Kostenvergleich: Direktverkauf vs. M&A-Berater
Kostenfaktor | Direktverkauf | Mit M&A-Berater |
---|---|---|
Unternehmensbewertung | 2.000 - 10.000 EUR | Im Beratungshonorar enthalten |
Erstellung Verkaufsexpose | Eigenleistung oder 1.000 - 3.000 EUR | Im Beratungshonorar enthalten |
Vermarktungskosten | 500 - 2.000 EUR | Im Beratungshonorar enthalten |
Rechtsberatung | 5.000 - 15.000 EUR | 5.000 - 15.000 EUR |
Steuerberatung | 2.000 - 8.000 EUR | 2.000 - 8.000 EUR |
Beraterhonorar/Provision | 0 EUR | 3-7% des Verkaufspreises |
Gesamtkosten | 9.500 - 38.000 EUR | 7.000 - 23.000 EUR + Provision |
Praxistipp: Berücksichtigen Sie bei dieser Rechnung auch Ihren eigenen Zeitaufwand und potenzielle Preisunterschiede beim Verkaufserlös.
Wann macht der Verkauf ohne Makler Sinn?
Der Eigenverkauf kann unter bestimmten Bedingungen die richtige Wahl sein:
- Kleine Unternehmensgröße: Bei Kleinunternehmen mit überschaubarer Komplexität
- Klarer Nachfolger: Wenn bereits ein konkreter Käufer (z.B. Mitarbeiter, Familie) feststeht
- Branchenerfahrung: Wenn Sie selbst über M&A-Erfahrung in Ihrer Branche verfügen
- Ausreichend Zeit: Wenn Sie den Verkaufsprozess nicht neben dem operativen Geschäft bewältigen müssen
- Lokaler Markt: Bei stark regional geprägten Geschäftsmodellen
Innovative Lösung: KI-gestützter Unternehmensverkauf mit Viaductus
Bei Viaductus entwickeln wir derzeit einen innovativen KI-Agenten, der speziell für Kleinunternehmen den Verkaufsprozess revolutionieren wird. Diese Lösung kombiniert die Kostenvorteile des Eigenverkaufs mit der Expertise professioneller Beratung – zu deutlich geringeren Kosten als bei traditionellen M&A-Beratern.
Unser KI-Agent unterstützt Sie bei:
- Automatisierter Unternehmensbewertung nach Branchenstandards
- Erstellung professioneller Verkaufsunterlagen
- Intelligenter Käufermatching-Algorithmik
- Strukturierter Verhandlungsführung
- Rechtssicherer Vertragsgestaltung
Interessierte Unternehmer können uns jetzt schon kontaktieren, um frühzeitig von dieser zukunftsweisenden Lösung zu profitieren. Sprechen Sie uns einfach an!
Fazit: Abwägung mit Augenmaß
Die Entscheidung für oder gegen einen M&A-Berater sollte wohlüberlegt sein. Der direkte Verkauf kann erhebliche Kosten sparen, birgt aber auch Risiken und Nachteile. Folgende Faktoren sollten in Ihre Entscheidung einfließen:
- Komplexität Ihres Unternehmens
- Verfügbare Zeit neben dem operativen Geschäft
- Persönliche Verkaufs- und Verhandlungserfahrung
- Emotionale Bindung zum Unternehmen
- Gewünschter Verkaufszeitraum
- Höhe des angestrebten Verkaufspreises
Unabhängig davon, ob Sie sich für den Eigenverkauf oder einen Berater entscheiden: Eine gründliche Vorbereitung ist in beiden Fällen der Schlüssel zum erfolgreichen Unternehmensverkauf.
Merke: Der Verkauf eines Unternehmens ist für die meisten Unternehmer ein einmaliges Ereignis im Leben. Wägen Sie sorgfältig ab, ob potenzielle Einsparungen das erhöhte Risiko rechtfertigen.
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Christopher Heckel
Co-Founder & CTO
Christopher hat als CTO des Mittelstandsfinanziers Creditshelf die digitale Transformation von Finanzlösungen für den Mittelstand geleitet. Viaductus wurde mit dem Ziel gegründet, mit Technologie für Unternehmensübernahmen und -verkäufe Menschen zu unterstützen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen.
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