Due Diligence Kosten: Womit Käufer und Verkäufer rechnen müssen
Eine gründliche Due Diligence ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Unternehmenstransaktion. Doch was viele potenzielle Käufer und Verkäufer unterschätzen, sind die damit verbundenen Kosten. Diese können je nach Unternehmensgröße, Komplexität und Umfang der Prüfung erheblich variieren. In diesem Artikel schlüsseln wir die typischen Kostenfaktoren auf und zeigen, womit Sie bei den verschiedenen Arten von Due-Diligence-Prüfungen rechnen müssen.
Warum eine Due Diligence unerlässlich ist
Bevor wir uns den konkreten Kosten widmen, ist es wichtig zu verstehen, warum eine Due Diligence für beide Seiten unumgänglich ist:
- Für Käufer: Minimierung von Risiken, Identifizierung versteckter Probleme, realistische Bewertung des Unternehmens
- Für Verkäufer: Vorbereitung auf kritische Fragen, höhere Verkaufspreise durch Transparenz, beschleunigte Transaktionen
Merke: Eine gründliche Due Diligence kostet zwar Geld, kann aber langfristig deutlich höhere Kosten durch Fehlentscheidungen vermeiden. Seriöse M&A-Berater empfehlen sie ausnahmslos.
Die typischen Kostenfaktoren bei einer Due Diligence
Die Gesamtkosten einer Due Diligence setzen sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:
1. Umfang und Tiefe der Prüfung
Je umfassender die Prüfung, desto höher die Kosten. Die häufigsten Prüfungsarten sind:
- Financial Due Diligence: Analyse der Finanzdaten und Prognosen
- Legal Due Diligence: Überprüfung rechtlicher Aspekte und Verträge
- Tax Due Diligence: Untersuchung steuerlicher Risiken
- Commercial Due Diligence: Analyse von Markt, Wettbewerb und Geschäftsmodell
- Technical Due Diligence: Überprüfung von Anlagen, Technologien und Produkten
- HR Due Diligence: Analyse von Personalstruktur und -verträgen
- ESG Due Diligence: Prüfung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren
2. Unternehmensgröße und Komplexität
Ein entscheidender Kostenfaktor ist die Größe und Komplexität des zu prüfenden Unternehmens:
- Kleine Unternehmen (Umsatz bis 2 Mio. EUR)
- Mittelständische Unternehmen (Umsatz 2-50 Mio. EUR)
- Größere Mittelständler (Umsatz 50-250 Mio. EUR)
- Großunternehmen (Umsatz über 250 Mio. EUR)
3. Branchenspezifische Anforderungen
Je nach Branche können zusätzliche Prüfungen erforderlich sein:
- Regulierte Branchen (Finanzdienstleistungen, Pharma)
- Technologieunternehmen (IT-Unternehmen kaufen)
- Produktionsbetriebe (Produktionsunternehmen kaufen)
- E-Commerce (E-Commerce Unternehmen kaufen)
4. Zeitrahmen der Prüfung
Ein enger Zeitrahmen erfordert oft den Einsatz größerer Teams und kann die Kosten erhöhen:
- Standard-Zeitrahmen: 4-8 Wochen
- Beschleunigter Prozess: 2-4 Wochen
- Express-Due-Diligence: unter 2 Wochen (mit Kostenaufschlag)
Konkrete Kostenbereiche für verschiedene Due-Diligence-Arten
Financial Due Diligence
Die Financial Due Diligence untersucht die finanzielle Lage und Performance des Unternehmens.
Unternehmensgröße | Typischer Kostenbereich |
---|---|
Klein (bis 2 Mio. EUR) | 8.000 - 15.000 EUR |
Mittelstand (2-50 Mio. EUR) | 15.000 - 40.000 EUR |
Größerer Mittelstand (50-250 Mio. EUR) | 40.000 - 100.000 EUR |
Großunternehmen (250+ Mio. EUR) | 100.000+ EUR |
Praxistipp: Bei kleineren Transaktionen kann eine fokussierte Financial Due Diligence sinnvoll sein, die sich auf die wichtigsten Kennzahlen und Risiken konzentriert.
Legal Due Diligence
Die rechtliche Prüfung untersucht Verträge, Rechtsstreitigkeiten und rechtliche Risiken.
Unternehmensgröße | Typischer Kostenbereich |
---|---|
Klein (bis 2 Mio. EUR) | 5.000 - 12.000 EUR |
Mittelstand (2-50 Mio. EUR) | 12.000 - 35.000 EUR |
Größerer Mittelstand (50-250 Mio. EUR) | 35.000 - 80.000 EUR |
Großunternehmen (250+ Mio. EUR) | 80.000+ EUR |
Kostenfalle: Achten Sie auf anwaltliche Stundensätze, die je nach Kanzlei und Seniorität zwischen 200 und 500 EUR pro Stunde liegen können.
Tax Due Diligence
Die steuerliche Prüfung identifiziert potenzielle Steuerrisiken und -optimierungen.
Unternehmensgröße | Typischer Kostenbereich |
---|---|
Klein (bis 2 Mio. EUR) | 4.000 - 10.000 EUR |
Mittelstand (2-50 Mio. EUR) | 10.000 - 25.000 EUR |
Größerer Mittelstand (50-250 Mio. EUR) | 25.000 - 60.000 EUR |
Großunternehmen (250+ Mio. EUR) | 60.000+ EUR |
Die steuerliche Optimierung beim Verkauf kann die Kosten der Tax Due Diligence schnell amortisieren.
Commercial Due Diligence
Diese Prüfung analysiert das Marktumfeld, Wettbewerbsposition und das Geschäftsmodell.
Unternehmensgröße | Typischer Kostenbereich |
---|---|
Klein (bis 2 Mio. EUR) | 6.000 - 15.000 EUR |
Mittelstand (2-50 Mio. EUR) | 15.000 - 40.000 EUR |
Größerer Mittelstand (50-250 Mio. EUR) | 40.000 - 90.000 EUR |
Großunternehmen (250+ Mio. EUR) | 90.000+ EUR |
Bei Online-Businesses und digitalen Geschäftsmodellen kommen oft zusätzliche Kosten für spezielle Analysen hinzu.
Technical Due Diligence
Besonders bei Produktionsunternehmen oder IT-Unternehmen wichtig.
Unternehmensgröße | Typischer Kostenbereich |
---|---|
Klein (bis 2 Mio. EUR) | 5.000 - 12.000 EUR |
Mittelstand (2-50 Mio. EUR) | 12.000 - 30.000 EUR |
Größerer Mittelstand (50-250 Mio. EUR) | 30.000 - 70.000 EUR |
Großunternehmen (250+ Mio. EUR) | 70.000+ EUR |
Gesamtkosten einer umfassenden Due Diligence
Kombiniert man die verschiedenen Prüfungsarten, ergeben sich folgende Gesamtkostenbereiche:
Unternehmensgröße | Typischer Gesamtkostenbereich |
---|---|
Klein (bis 2 Mio. EUR) | 15.000 - 40.000 EUR (ca. 1-3% des Unternehmenswerts) |
Mittelstand (2-50 Mio. EUR) | 40.000 - 120.000 EUR (ca. 0,5-2% des Unternehmenswerts) |
Größerer Mittelstand (50-250 Mio. EUR) | 120.000 - 300.000 EUR (ca. 0,3-1% des Unternehmenswerts) |
Großunternehmen (250+ Mio. EUR) | 300.000+ EUR (ca. 0,1-0,5% des Unternehmenswerts) |
Wichtig: Diese Kosten können je nach Branche, Komplexität und geografischer Lage stark variieren. Bei internationalen Transaktionen kommen oft noch Reisekosten und Kosten für lokale Berater hinzu.
Wer trägt die Kosten der Due Diligence?
Die Kostenverteilung zwischen Käufer und Verkäufer folgt meist diesen Grundsätzen:
- Käufer trägt in der Regel die Kosten der von ihm initiierten Prüfungen
- Verkäufer trägt die Kosten der Vorbereitung, des Datenraums und der Vendor Due Diligence
- Bei einem strukturierten Verkaufsprozess mit mehreren Bietern kann der Verkäufer eine Vendor Due Diligence durchführen, um den Prozess zu beschleunigen
Strategien zur Kostenoptimierung
Für Käufer:
- Stufenweise Prüfung: Beginnen Sie mit einer Basis-Due-Diligence und vertiefen Sie nur kritische Bereiche
- Klare Priorisierung: Fokussieren Sie sich auf die größten Risiken und werttreibenden Faktoren
- Kostendeckelung: Vereinbaren Sie mit Beratern feste Preisobergrenzen statt offener Stundenabrechnungen
- Eigene Ressourcen nutzen: Übernehmen Sie einfachere Prüfungsteile mit eigenem Personal
- Beraterauswahl: Vergleichen Sie Angebote verschiedener Berater - größere Kanzleien sind nicht immer nötig
Für Verkäufer:
- Gute Vorbereitung: Eine strukturierte Vorbereitung des Unternehmensverkaufs spart später Kosten
- Vollständiger Datenraum: Stellen Sie alle relevanten Dokumente frühzeitig bereit
- Vendor Due Diligence: Bei größeren Transaktionen kann eine vorab durchgeführte Prüfung den Prozess beschleunigen
- Red-Flag-Report: Eine kostengünstigere Alternative zur vollen Vendor Due Diligence
- M&A-Berater einbinden: Ein erfahrener M&A-Berater kann den Prozess effizienter gestalten
Praxistipp: Bei kleineren Transaktionen unter 1 Mio. EUR kann eine vereinfachte Due Diligence sinnvoll sein, die sich auf die wichtigsten Risikobereiche konzentriert.
Die häufigsten Kostenfallen bei der Due Diligence
- Unzureichende Vorbereitung: Führt zu Nachfragen und zusätzlichen Prüfungsstunden
- Zu breiter Prüfungsumfang: Nicht jede Transaktion erfordert alle Prüfungsarten
- Falsche Beraterauswahl: Zu große oder zu spezialisierte Teams können unnötige Kosten verursachen
- Fehlende Kostenkontrolle: Offene Mandate ohne Kostendeckelung können teuer werden
- Zeitdruck: Last-Minute-Transaktionen erfordern größere Teams und verursachen höhere Kosten
Regionale Kostenunterschiede in Deutschland
Die Due-Diligence-Kosten können je nach Region variieren:
- Großstädte (Berlin, Hamburg, München): 10-20% höhere Stundensätze
- Wirtschaftsstarke Regionen (Baden-Württemberg, NRW): Durchschnittliche Kosten
- Ländliche Regionen (Thüringen, Sachsen-Anhalt): 10-15% niedrigere Kosten
Due Diligence bei branchenspezifischen Unternehmenskäufen
Die Kosten können je nach Branche erheblich variieren:
- IT und Software: Höhere Kosten für Technical Due Diligence (IT-Systemhaus kaufen)
- Handwerk: Fokus auf Auftragsbestand und Personal (Handwerksbetrieb verkaufen)
- E-Commerce: Bewertung von Online-Kennzahlen und Plattformabhängigkeiten (Amazon FBA Business kaufen)
- Gastronomie: Besondere Prüfung von Hygienestandards und Konzessionen (Restaurant kaufen)
- Produktionsbetriebe: Umfangreiche technische Prüfungen nötig (Maschinenbau kaufen)
Fazit: Due Diligence als Investition verstehen
Die Kosten einer Due Diligence sollten nicht als bloßer Aufwand, sondern als Investition in eine sichere Transaction betrachtet werden. Sie können vor bösen Überraschungen schützen und helfen, den fairen Wert eines Unternehmens zu ermitteln.
Für Käufer bietet eine gründliche Prüfung die Möglichkeit, versteckte Risiken aufzudecken und den Kaufpreis entsprechend zu verhandeln. Für Verkäufer hilft eine gute Vorbereitung oder Vendor Due Diligence, einen höheren Verkaufspreis zu erzielen und den Prozess zu beschleunigen.
Mit einer sorgfältigen Planung, klaren Priorisierung und der richtigen Beraterauswahl lassen sich die Kosten der Due Diligence optimieren, ohne auf wichtige Prüfungsaspekte verzichten zu müssen.
Merke: Eine eingesparte Due Diligence kann langfristig zum teuersten Teil einer Transaktion werden. Investieren Sie lieber vorab in eine solide Prüfung als später mit unvorhergesehenen Problemen konfrontiert zu werden.
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Christopher Heckel
Co-Founder & CTO
Christopher hat als CTO des Mittelstandsfinanziers Creditshelf die digitale Transformation von Finanzlösungen für den Mittelstand geleitet. Viaductus wurde mit dem Ziel gegründet, mit Technologie für Unternehmensübernahmen und -verkäufe Menschen zu unterstützen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen.
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