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Habe ich das Zeug dazu, ein Unternehmen zu kaufen?

12 min Lesezeit

Der Gedanke, ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen, kann gleichermaßen aufregend wie einschüchternd sein. Viele Menschen träumen vom Unternehmertum, fragen sich aber, ob sie wirklich das nötige Rüstzeug mitbringen. In diesem Artikel beleuchten wir die wichtigsten Faktoren, die Sie abwägen sollten, bevor Sie sich auf den Weg zum Unternehmenskauf machen.

Habe ich das Zeug dazu, ein Unternehmen zu kaufen?

Die Selbsteinschätzung: Kernfragen zur persönlichen Eignung

Bin ich vom Typ her Unternehmer?

Nicht jeder ist für das Unternehmertum gemacht – und das ist völlig in Ordnung. Überprüfen Sie ehrlich, ob Sie diese typischen unternehmerischen Eigenschaften mitbringen:

  • Entscheidungsfreude: Können Sie auch unter Unsicherheit klare Entscheidungen treffen?
  • Risikobereitschaft: Sind Sie bereit, kalkulierte Risiken einzugehen und mit Unsicherheiten zu leben?
  • Belastbarkeit: Wie gehen Sie mit Stress, langen Arbeitszeiten und Rückschlägen um?
  • Führungsqualitäten: Können Sie Menschen motivieren und anleiten?
  • Anpassungsfähigkeit: Wie schnell können Sie sich auf neue Situationen einstellen?

Praxistipp: Führen Sie Gespräche mit Unternehmern in Ihrer Wunschbranche. Fragen Sie nach ihrem Alltag, ihren größten Herausforderungen und wie sie damit umgehen. So bekommen Sie ein realistisches Bild.

Verfüge ich über die notwendigen Fachkenntnisse?

Ein erfolgreiches Unternehmen zu führen erfordert verschiedene Kompetenzen:

  • Branchenwissen: Wie gut kennen Sie die Branche, in der Sie ein Unternehmen kaufen möchten?
  • Betriebswirtschaftliches Know-how: Verstehen Sie Bilanzen, GuV und andere finanzielle Kennzahlen?
  • Führungserfahrung: Haben Sie bereits Teams geleitet?
  • Formale Qualifikationen: Benötigen Sie spezielle Abschlüsse oder Zertifikate (z.B. einen Meisterbrief im Handwerk)?

Praxistipp: Erstellen Sie eine ehrliche Bestandsaufnahme Ihrer Fähigkeiten und identifizieren Sie Wissenslücken. Überlegen Sie, wie Sie diese schließen können – durch Weiterbildung, Partnerschaften oder die Einstellung qualifizierter Mitarbeiter.

Ist meine persönliche Situation geeignet?

Ein Unternehmenskauf kann Ihr Leben grundlegend verändern:

  • Familiäre Unterstützung: Steht Ihre Familie hinter Ihrer Entscheidung?
  • Gesundheit: Sind Sie körperlich und mental fit für die Herausforderungen?
  • Zeitliche Verfügbarkeit: Sind Sie bereit, zumindest anfangs deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten?
  • Wohnortwechsel: Wären Sie bereit umzuziehen, falls das Unternehmen in einer anderen Region liegt?

Praxistipp: Beziehen Sie Ihre Familie frühzeitig in Ihre Pläne ein. Ein offenes Gespräch über Erwartungen, Bedenken und notwendige Anpassungen kann spätere Konflikte vermeiden.

Die finanziellen Voraussetzungen

Wie steht es um meine Eigenkapitalbasis?

Die Finanzierung ist oft eine der größten Hürden beim Unternehmenskauf:

  • Eigenkapital: Üblicherweise sollten Sie 20-30% des Kaufpreises aus eigenen Mitteln aufbringen können.
  • Sicherheiten: Verfügen Sie über Vermögenswerte, die als Sicherheit für Kredite dienen können?
  • Kreditwürdigkeit: Wie ist Ihre Bonität? Haben Sie bestehende Verbindlichkeiten?
  • Finanzielle Reserven: Verfügen Sie über Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben oder anfängliche Umsatzrückgänge?

Praxistipp: Lassen Sie sich von einem Finanzberater oder Ihrer Hausbank zu Finanzierungsmöglichkeiten beraten. Informieren Sie sich auch über spezielle Förderprogramme für Unternehmensnachfolger.

Kann ich meinen Lebensunterhalt sichern?

Besonders in der Anfangsphase kann es sein, dass Ihr Unternehmen nicht sofort genug Gewinn abwirft:

  • Übergangsphase: Haben Sie Rücklagen, um 6-12 Monate mit reduziertem Einkommen zu überbrücken?
  • Absicherung: Wie sieht Ihre soziale Absicherung aus (Krankenversicherung, Altersvorsorge)?
  • Mindesteinkommen: Welches Einkommen benötigen Sie mindestens, um Ihre fixen Kosten zu decken?

Praxistipp: Kalkulieren Sie Ihr notwendiges Mindesteinkommen und stellen Sie sicher, dass der Unternehmenskauf dieses nicht gefährdet.

Die Recherchearbeit: Wie finde ich das richtige Unternehmen?

Welche Branche passt zu mir?

Nicht jedes zum Verkauf stehende Unternehmen ist für Sie geeignet:

  • Persönliche Interessen: In welcher Branche arbeiten Sie gerne?
  • Zukunftsfähigkeit: Wie sind die Zukunftsaussichten für die Branche?
  • Marktsituation: Wie ist der Wettbewerb? Gibt es Wachstumspotenzial?
  • Einstiegshürden: Wie hoch sind die typischen Kaufpreise in der Branche?

Praxistipp: Erstellen Sie ein klares Suchprofil mit Muss-Kriterien und Wunsch-Kriterien, bevor Sie mit der aktiven Suche beginnen.

Wo finde ich Unternehmen zum Kauf?

Es gibt verschiedene Wege, um Verkaufsangebote zu finden:

  • Nachfolgebörsen: Online-Plattformen wie nexxt-change
  • Kammern und Verbände: IHK und Handwerkskammern vermitteln oft Nachfolgegesuche
  • M&A-Berater: Spezialisierte Vermittler für Unternehmenskäufe
  • Netzwerk: Eigene Kontakte in der Branche, Steuerberater, Anwälte
  • Direktansprache: Gezielte Kontaktaufnahme mit potenziellen Verkäufern

Praxistipp: Nutzen Sie mehrere Suchkanäle parallel und registrieren Sie sich für Benachrichtigungsdienste bei Nachfolgebörsen.

Die Analyse: Wie erkenne ich ein gutes Angebot?

Welche Faktoren machen ein Unternehmen attraktiv?

Nicht jedes zum Verkauf stehende Unternehmen ist eine gute Investition:

  • Stabilität: Hat das Unternehmen eine gesunde Finanzstruktur und stabile Erträge?
  • Kundenstamm: Wie breit ist die Kundenbasis? Gibt es Abhängigkeiten von wenigen Großkunden?
  • Mitarbeiterstruktur: Verfügt das Unternehmen über qualifizierte, loyale Mitarbeiter?
  • Zukunftsperspektiven: Wie zukunftsfähig ist das Geschäftsmodell?
  • Standort: Ist der Standort für die Geschäftstätigkeit günstig?
  • Transformationsbedarf: Wie viel müssten Sie verändern, um das Unternehmen erfolgreich weiterzuführen?

Praxistipp: Erstellen Sie eine Checkliste mit Bewertungskriterien für potenzielle Übernahmekandidaten, um verschiedene Angebote objektiv vergleichen zu können.

Wie erkenne ich versteckte Risiken?

Hinter attraktiven Angeboten können sich Probleme verbergen:

  • Finanzielle Altlasten: Ausstehende Steuernachzahlungen, nicht bilanzierte Verbindlichkeiten
  • Rechtliche Risiken: Laufende Rechtsstreitigkeiten, Garantieansprüche
  • Investitionsstau: Veraltete Technik oder Betriebsausstattung
  • Personelle Risiken: Schlüsselmitarbeiter, die das Unternehmen verlassen könnten
  • Marktveränderungen: Neue Wettbewerber, technologischer Wandel, regulatorische Änderungen

Praxistipp: Führen Sie eine gründliche Due-Diligence-Prüfung durch, idealerweise unterstützt durch Experten wie Steuerberater, Anwälte und Branchenkenner.

Die Unterstützung: Wer kann mir helfen?

Welche Experten sollte ich hinzuziehen?

Ein Unternehmenskauf ist komplex und erfordert Fachwissen in verschiedenen Bereichen:

  • Unternehmensberater: Für die Bewertung des Geschäftsmodells und Zukunftspotenzials
  • Steuerberater: Für die steuerliche Optimierung des Kaufs
  • Rechtsanwalt: Für die Vertragsgestaltung und rechtliche Absicherung
  • Finanzberater: Für die Strukturierung der Finanzierung
  • Branchenexperten: Für die Einschätzung von Marktsituation und Wettbewerb

Praxistipp: Suchen Sie Experten mit spezifischer Erfahrung bei Unternehmenskäufen in Ihrer Zielbranche. Die Investition in gute Beratung zahlt sich später oft mehrfach aus.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Für Unternehmensnachfolger gibt es zahlreiche Unterstützungsangebote:

  • KfW-Förderkredite: Zinsgünstige Darlehen für Unternehmensnachfolger
  • Bürgschaften: Absicherung von Bankkrediten durch öffentliche Bürgschaftsbanken
  • Beratungsförderung: Zuschüsse für die Inanspruchnahme von Beratungsleistungen
  • Regionale Förderprogramme: Je nach Bundesland unterschiedliche Angebote

Praxistipp: Nutzen Sie Förderdatenbanken oder lassen Sie sich bei einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft zu passenden Programmen beraten.

Der Kaufprozess: Wie läuft ein Unternehmenskauf ab?

Wie gestaltet sich der typische Ablauf?

Ein Unternehmenskauf folgt meist diesem Muster:

  1. Kontaktaufnahme und erstes Kennenlernen
  2. Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA)
  3. Austausch grundlegender Informationen
  4. Unverbindliche Preisindikation (Letter of Intent)
  5. Detaillierte Prüfung (Due Diligence)
  6. Vertragsverhandlungen
  7. Kaufvertragsabschluss
  8. Übergangsphase und Einarbeitung

Praxistipp: Planen Sie für den gesamten Prozess 12-18 Monate ein. Überstürzen Sie nichts – ein übereilter Kauf kann teuer werden.

Worauf sollte ich bei Verhandlungen achten?

Verhandlungen beim Unternehmenskauf sind komplex und oft emotional:

  • Professionelle Distanz: Lassen Sie sich nicht von Emotionen leiten
  • Verhandlungsspielraum: Identifizieren Sie neben dem Preis auch andere Verhandlungspunkte (Zahlungsmodalitäten, Übergangsregelungen)
  • Kompromissbereitschaft: Suchen Sie nach Win-Win-Lösungen
  • Fairness: Respektieren Sie das Lebenswerk des Verkäufers
  • Kommunikation: Halten Sie regelmäßigen, offenen Kontakt

Praxistipp: Definieren Sie vorab Ihre Grenzen – sowohl beim Kaufpreis als auch bei anderen wichtigen Vertragsbedingungen.

Fazit: Der ehrliche Selbstcheck

Die Entscheidung, ein Unternehmen zu kaufen, sollte wohlüberlegt sein. Nehmen Sie sich Zeit für eine ehrliche Selbsteinschätzung und prüfen Sie Ihre persönlichen, fachlichen und finanziellen Voraussetzungen sorgfältig. Scheuen Sie sich nicht, Unterstützung in Anspruch zu nehmen – sei es durch Familie, Freunde oder professionelle Berater.

Ein Unternehmenskauf bietet einzigartige Chancen, birgt aber auch erhebliche Risiken. Mit der richtigen Vorbereitung, realistischen Erwartungen und einem strukturierten Vorgehen können Sie diese Risiken minimieren und Ihre Erfolgschancen maximieren.

Letztlich gibt es keine Garantie für Erfolg – aber eine gründliche Selbstprüfung und sorgfältige Vorbereitung sind die besten Voraussetzungen, um die Frage "Habe ich das Zeug dazu, ein Unternehmen zu kaufen?" für sich positiv zu beantworten.

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Über den Autor

Christopher Heckel

Christopher Heckel

Co-Founder & CTO

Christopher hat als CTO des Mittelstandsfinanziers Creditshelf die digitale Transformation von Finanzlösungen für den Mittelstand geleitet. Viaductus wurde mit dem Ziel gegründet, mit Technologie für Unternehmensübernahmen und -verkäufe Menschen zu unterstützen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen.

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